Projekt
Schöne Orte. Hässliche Bilder?
Eine Kamera, ein winziges Loch, nirgends Glas innen. Mit einem selbstgebauten Camera-obscura-Objektiv an der Saxer Lücke: rohe, verschleierte Bilder von dem, was vom Licht übrig bleibt.
Die Idee
Die Idee selbst wartet seit 2022 auf ihre Umsetzung, seit ich zum ersten Mal eine Camera obscura benutzt habe. Genauer gesagt: Ich war in einer drin. Vier Jahre später habe ich mir ein eigenes Objektiv für mein Kameragehäuse gebaut. Dieses „Objektiv" ist gar kein gewöhnliches Objektiv, denn es hat weder Glas noch eine verstellbare Blende. Aber es hat ein winziges Loch, das die ganze Arbeit ganz allein erledigt. Vorne habe ich nur einen einfachen UV-Filter angebracht, der hilft, Staub aus dem Inneren der Kamera fernzuhalten.
Unendliche Schärfentiefe, unendliche Geduld
Eine besondere Eigenschaft des linsenlosen Bildes ist, dass es praktisch überall gleich (un)scharf ist. Es gibt keinen scharfen Übergang zwischen Vorder- und Hintergrund und kein Bokeh, mit dem die moderne Fotografie so gerne spielt. Dieselbe weiche, körnige Gleichheit hält alle Ebenen zusammen. Dafür verlängert sich die Belichtungszeit, denn durch eine Öffnung von etwa f/170 fällt nur sehr wenig Licht. Fotografieren kann so wieder zu einem langsamen Prozess werden, in dem Geduld Teil der Technik ist.
Warum schmutzig, warum roh?
Die Eigenheiten der Lochkamera, wie Vignettierung, Streulicht, Staub und Kontrastverlust, sind eigentlich keine Fehler, sondern natürliche Eigenschaften des Systems.
Das Ergebnis ist so etwas wie eine schöne Landschaft in hässlicher, aber charaktervoller Darstellung. Die Schönheit der Landschaft bleibt erhalten, doch die Abbildung verwöhnt nicht. Diese Spannung interessiert mich: Ein rohes, leicht unsicheres Bild kommt der Arbeitsweise unseres Gedächtnisses näher als eine perfekte Aufnahme. Wir behalten keine Details, sondern Stimmung, Lichtflecken, einen verschleierten Anblick.
Bei der Lochkamera geht es darum, wie viel man loslassen muss, um zu sehen. Alles, was bei modernen Objektiven kompliziert ist, fehlt hier, und trotzdem entsteht ein Bild. Das Loch filtert nicht, korrigiert nicht, interpretiert nicht. Es gibt keine Vergütungen, keine Fokusmotoren, keine Korrekturlinsen. Etwas Lebendiges, Natürliches liegt darin, wie das Licht von selbst durch ein winziges Loch tritt und das Bild der Außenwelt auf die Rückwand der Box zeichnet. Vielleicht ist sie die ehrlichste Kamera: Sie zeigt nicht, was wir sehen wollen, sondern das, was vom Licht durch eine sehr kleine Öffnung übrig bleibt.
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