Projekt

Schöne Orte. Hässliche Bilder?

Eine Kamera, ein winziges Loch, nirgends Glas innen. Mit einem selbstgebauten Camera-obscura-Objektiv an der Saxer Lücke: rohe, verschleierte Bilder von dem, was vom Licht übrig bleibt.

Typ
Gallery
Ort
Sax, Schweiz
Projekt
2026
Veröffentlicht
23. September 2026
Schwarzweiß-Weitwinkelaufnahme eines Fahrrades auf einem gefliesten Innenhof, gespiegelt in einer Glastür mit einem auffälligen Griff.
Monochrome Ich-Perspektive vom Fahrradlenker aus bei der Fahrt auf einer kurvigen Asphaltstraße mit Bewegungsunschärfe.
Monochrome, leicht verzerrte Analogaufnahme eines Fahrrads, das vor einem gestapelten Holzhaufen geparkt ist.
Monochrome Lochkamera-Fotografie eines schmalen Waldwegs, der sich durch dichte Bäume schlängelt, mit einfallendem Sonnenlicht.
Schwarzweißes, leicht unscharfes Foto zweier Personen auf einem schmalen Pfad unterhalb einer hohen, strukturierten Felswand.
Monochrome Lochkamera-Aufnahme von gezackten Berggipfeln über einem Grasanghang mit drei winzigen Gestalten in der Ferne.
Schwarz-Weiß-Lochkameraaufnahme eines schmalen Feldwegs, der sich an einem grasbewachsenen Hang unter bewölktem Himmel nach oben schlängelt, mit weicher Vignettierung.
Schwarz-Weiß-Landschaft mit einem schmalen Feldweg durch grasbewachsene Hänge, der unter einem bewölkten Himmel zu entfernten Bergen führt, festgehalten im weichen Lochkamera-Stil.
Monochrome Lochkameraufnahme von alpinen Steinhäusern auf einem grasbewachsenen Hang unter einer Felswand, mit unscharfem Rand.
Monochrome, weich gezeichnete Weitwinkelaufnahme von Wanderern auf einem Bergpfad unter den scharfen Gipfeln der Saxer Lücke.
Monochrome Lochkameraaufnahme von Menschen, die auf einem Bergpfad zwischen Felshängen unter einem bewölkten Himmel gehen.
Monochrome Lochkamera-Aufnahme eines alpinen Wegweisers mit Richtungspfeilen und Ortsangaben vor einem felsigen Hang.
Eine Schwarz-Weiß-Fotografie zeigt eine Gruppe von Wanderern, die auf einem geschwungenen Schotterweg unter einem bewölkten Himmel auf eine große Berghütte zugehen.
Monochrome, weich gezeichnete Weitwinkelaufnahme von Wanderern, die an der Saxer Lücke auf einem grasbewachsenen Hang neben einem See im Kreis schroffer Gipfel rasten.
Monochrome Lochkamera-Landschaftsaufnahme eines Bergsees zwischen steilen Felsgipfeln, eingerahmt von Tannen im Vordergrund.
Eine schwarz-weiße, weich gezeichnete Landschaftsansicht, eingerahmt durch eine natürliche Baumhöhle, die zackige Berggipfel im See zeigt.

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Die Idee

Die Idee selbst wartet seit 2022 auf ihre Umsetzung, seit ich zum ersten Mal eine Camera obscura benutzt habe. Genauer gesagt: Ich war in einer drin. Vier Jahre später habe ich mir ein eigenes Objektiv für mein Kameragehäuse gebaut. Dieses „Objektiv" ist gar kein gewöhnliches Objektiv, denn es hat weder Glas noch eine verstellbare Blende. Aber es hat ein winziges Loch, das die ganze Arbeit ganz allein erledigt. Vorne habe ich nur einen einfachen UV-Filter angebracht, der hilft, Staub aus dem Inneren der Kamera fernzuhalten.

Das ist die „Linse“. Das einzige Glaselement ist der UV-Filter an der Vorderseite.
Die Blende selbst liegt bei etwa f/170.

Unendliche Schärfentiefe, unendliche Geduld

Eine besondere Eigenschaft des linsenlosen Bildes ist, dass es praktisch überall gleich (un)scharf ist. Es gibt keinen scharfen Übergang zwischen Vorder- und Hintergrund und kein Bokeh, mit dem die moderne Fotografie so gerne spielt. Dieselbe weiche, körnige Gleichheit hält alle Ebenen zusammen. Dafür verlängert sich die Belichtungszeit, denn durch eine Öffnung von etwa f/170 fällt nur sehr wenig Licht. Fotografieren kann so wieder zu einem langsamen Prozess werden, in dem Geduld Teil der Technik ist.

Warum schmutzig, warum roh?

Die Eigenheiten der Lochkamera, wie Vignettierung, Streulicht, Staub und Kontrastverlust, sind eigentlich keine Fehler, sondern natürliche Eigenschaften des Systems.

Das Ergebnis ist so etwas wie eine schöne Landschaft in hässlicher, aber charaktervoller Darstellung. Die Schönheit der Landschaft bleibt erhalten, doch die Abbildung verwöhnt nicht. Diese Spannung interessiert mich: Ein rohes, leicht unsicheres Bild kommt der Arbeitsweise unseres Gedächtnisses näher als eine perfekte Aufnahme. Wir behalten keine Details, sondern Stimmung, Lichtflecken, einen verschleierten Anblick.

Bei der Lochkamera geht es darum, wie viel man loslassen muss, um zu sehen. Alles, was bei modernen Objektiven kompliziert ist, fehlt hier, und trotzdem entsteht ein Bild. Das Loch filtert nicht, korrigiert nicht, interpretiert nicht. Es gibt keine Vergütungen, keine Fokusmotoren, keine Korrekturlinsen. Etwas Lebendiges, Natürliches liegt darin, wie das Licht von selbst durch ein winziges Loch tritt und das Bild der Außenwelt auf die Rückwand der Box zeichnet. Vielleicht ist sie die ehrlichste Kamera: Sie zeigt nicht, was wir sehen wollen, sondern das, was vom Licht durch eine sehr kleine Öffnung übrig bleibt.

Hinter der Kamera

Dávid Hosszú

Monochromes Studio-Porträt eines Mannes mit Bart und zum Dutt gebundenem Haar vor schlichtem Hintergrund, der nach unten blickt.

Langzeitprojekte betrachte ich als offene Studien zu Identität, Ort und menschlicher Erfahrung. Mich interessieren die Muster, die wir teilen, und die Details, die uns einzigartig machen, die Art und Weise, wie Mimik, Haltung, Umgebung und Bewegung Teile unserer Geschichten erzählen.

Meine Arbeit verbindet Beobachtung, technisches Experimentieren und ein echtes Interesse an den Menschen und Kontexten, die ich fotografiere. Ob ich Porträts mache oder mich der Welt um mich herum widme, ich versuche, Bilder zu schaffen, die sowohl ästhetisch raffiniert als auch mit einfachen Fragen verbunden sind, die komplexe Antworten bergen: Woher kommen wir? Wie formen wir uns gegenseitig? Und welche Spuren hinterlassen wir?

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