Über Dávid Hosszú
Dávid Hosszú
Ich bin ein Fotograf in der Schweiz. Bei meinen Arbeiten konzentriere ich mich hauptsächlich auf Porträts und Events. In meinen persönlichen, längerfristigen Projekten liegt mir die Porträtfotografie und die Darstellung des Menschen am meisten am Herzen. Mich beschäftigen Themen wie die Identitätssuche, das Verhältnis zwischen Mensch und Umwelt sowie komplexe, in der Vergangenheit verwurzelte menschliche Beziehungen, die über Zeit und Generationen hinwegreichen. Als Fotograf experimentiere ich zudem viel mit analogen Techniken, von einfachen Point-and-Shoot-Kameras über das Mittelformat bis hin zu 4x5-Großformat-Planfilmen.
01 · Person
Über Dávid
Von technischen Linien zum Licht
Als Kind bedeutete Fotografie für mich nicht mehr als für jedes andere Kind auch. In meiner Familie ging es ausschließlich darum, Erinnerungen festzuhalten; jeder künstlerische Anspruch fehlte. Das Zeichnen kam dem kreativen Schaffen am nächsten, einfach aus Freude an der Sache.
Bei der Berufswahl führte mich diese kreative Seite, kombiniert mit der Kindheitserfahrung des Baus unseres Familienhauses, an eine Baufachschule. Dort wurde das Freihandzeichnen schnell durch technisches Zeichnen ersetzt. Meine Schulzeit war geprägt von Linien, Schraffuren und Grundrissen; Freihandskizzen zeichnete ich nur noch zum Spaß an den Rändern meiner Lehrbücher.
Die Nikon D3000 und Schweizer Landschaften
Um das Jahr 2010 herum tauchte die Fotografie in neuer Form in meinem Leben auf, als mein Bruder eine Spiegelreflexkamera kaufte. Angesichts des Booms von Kompaktkameras verstand ich anfangs den Sinn einer so schweren, komplexen Kamera nicht. Doch als er sich ein neueres Modell zulegte, überließ er mir das alte Gehäuse.
Angetrieben von purer Neugier fotografierte ich alles, was mir vor die Linse kam. Die Welt der Schärfentiefe, Belichtung und Wechselobjektive zog mich schnell in ihren Bann. Diese Nikon D3000 begleitete mich bis 2016. In dieser Zeit beendete ich die Schule, arbeitete in Ungarn und zog bald darauf in die Schweiz. Hier konzentrierte ich sich vor allem auf atemberaubende Landschaften und Experimente. Die Porträt- und Eventfotografie rückte erst viel später in den Fokus.
Alle zwei Wochen 1500 Kilometer für das Wissen
Um 2020 stand ich vor einer Entscheidung: Entweder ich nehme die Fotografie ernst, oder ich höre auf. Ich entschied mich für Ersteres. Obwohl ich schon seit zehn Jahren fotografierte, hatte ich das Gefühl, ganz von vorne anfangen zu müssen.
Da in der Schweiz kein Berufsabschluss für Fotografie erforderlich ist, gab es kaum staatliche Grundausbildungen; es klaffte eine riesige Lücke zwischen kurzen kommerziellen Kursen und universitären Kunststudiengängen. Deshalb entschied ich mich für eine staatlich zertifizierte OKJ-Berufsausbildung in Ungarn, die damals noch die obligatorische Basis für den Beruf darstellte. Das erforderte großen Einsatz: Alle zwei Wochen reiste ich 1500 Kilometer, um nach nur wenigen Stunden Schlaf an den intensiven Praxiswochenenden teilzunehmen. Es hat sich gelohnt. Ich merkte, dass ich kein Anfänger war, was mir enormen Aufwind gab, und ich habe mich fachlich extrem weiterentwickelt. Die dort gesammelten Erfahrungen prägen meinen Blick bis heute.
Verbindung von hinter der Kamera
In dieser Zeit wurden auch die Porträt- und Eventfotografie Teil meines Lebens. Als introvertierter Mensch fiel mir das Knüpfen von Kontakten nicht immer leicht, und in Gesellschaft fühlte ich mich oft gehemmt. Dennoch sehnte ich mich nach Gemeinschaft – und genau diese innere Herausforderung hat mich wohl dazu gebracht, Menschen zu fotografieren.
Nach anfänglichen Hürden lenke ich die Prozesse heute selbstbewusst von hinter der Kamera. Die Kamera gibt mir einen Grund, Fragen zu stellen, zuzuhören und mich zu öffnen. Dieser Wandel hat neue Beziehungen und Freundschaften in mein Leben gebracht. Ich habe gelernt, meine Stimme einzubringen und Situationen zu steuern, um am Ende genau das Bild zu erschaffen, das ich mir vorgestellt habe – sei es ein durchdachtes Porträt oder ein flüchtiger, perfekt eingefangener Moment.
02 · Fakten
Biografie
- Geboren
- 1992 · Ungarn
- Wohnhaft
- Schweiz · seit 2015
- Ausbildung
- Berufsausbildung im Bauwesen · 2013
- Fotografie
- Berufsabschluss Fotografie · 2022
- Arbeitssprachen
- Ungarisch · Englisch · Deutsch
04 · Fotografieren
Wie ich arbeite
Die Planung ist ein entscheidender Teil meiner Arbeit, da ich gerne mit einer klaren Vision zu jedem Fotoshooting erscheine. Die wahre Magie beginnt jedoch erst, wenn der Mensch aus Fleisch und Blut vor mir steht. Ich habe gelernt, dass eine sorgfältige Vorbereitung, wie das Erstellen von Moodboards und das Planen von Licht-Setups, mich keineswegs einschränkt. Im Gegenteil, sie bietet ein sicheres Fundament für Spontaneität. Während des Shootings kann ich die Details so völlig frei und ungehemmt verändern und das Konzept fein auf die Persönlichkeit des Modells abstimmen.
Referenzfotos sind zum Beispiel ein hervorragender Ausgangspunkt für Posen, aber sie müssen fast jedes Mal individuell angepasst werden, damit sich die Bewegungen natürlich an die Person anpassen. Ich habe dafür einen bewährten Trick: Zuerst erkläre ich die vorgestellte Richtung immer nur mit Worten, und die visuelle Referenz zeige ich erst im äußersten Notfall. Bei spontanen Bewegungen suche ich nämlich genau nach den kleinen Gesten und sogar nach den winzigen Unvollkommenheiten, die eine Pose vielleicht nicht mehr wie aus dem Lehrbuch perfekt machen, aber dafür sorgen, dass sie einzigartig, ehrlich und die Person auf dem Bild sofort wiedererkennbar ist.
Großteil meiner Porträts entsteht als Schwarz Weiß Bilder, unabhängig davon, ob ich digitale oder analoge Technik verwende. Dies ist die Welt, in der ich mich am ehesten zu Hause fühle, und es ist die Ausdrucksform, die mir bei der Darstellung von Menschen am nächsten liegt. Obwohl Farben manchmal eine wichtige Rolle und einen Informationswert bei einem Gesicht oder einer Kleidung haben können, sind sie in einem Porträt selten unverzichtbar. Meine kreative Philosophie is einfach: Wenn etwas weggelassen werden kann, dann entferne ich es. Für mich ist das Spiel von Licht und Schatten, das das menschliche Gesicht erleuchtet, und deren reine Beziehung zueinander viel wesentlicher, während Farben diese tiefere visuelle Erfahrung oft nur stören.
05 · Projektphilosophie
Längere Projekte
Ein Teil meiner Arbeit besteht aus Auftragsfotografie, während der andere Teil aus meinen eigenen autonomen Ideen gebildet wird. Obwohl ich es für wichtig halte, beide Bereiche zu präsentieren, möchte ich hier ein wenig über meine autonomen Projekte sprechen, da ich bei ihnen eine völlig andere Philosophie verfolge als bei Auftragsarbeiten oder kurzen, einmaligen Aufnahmen
.Autonome Projekte sind von ihrer Natur aus tief persönlich. Mich beschäftigen meistens die zeit und raumübergreifenden menschlichen Beziehungen, das Verhältnis zwischen Mensch und Umwelt, die Identitätssuche oder eben die Fragen der Vergänglichkeit und der Spuren, die wir hinterlassen. Diese Themen berühren mich nicht nur als Fotograf, sondern auch als Mensch, ich habe eine Meinung dazu und verbinde mich persönlich mit ihnen. Aus diesem Grund sind diese Serien nicht bloß ein Album mit perfekten Fotos, die in anderthalb Stunden aufgenommen wurden, und auch die technische Umsetzung der Bilder interpretiert die Industriestandards frei.
Gleichzeitig lege ich bei der Planung eines Projekts einen strengen technischen Rahmen fest. Dies dient nicht einer idealisierten Darstellung, sondern sorgt vielmehr für ein konsistentes Erscheinungsbild und eine zum Thema passende visuelle Welt. Wenn das Projekt jedoch erst einmal läuft, weiche ich nur sehr schwer von diesen Regeln ab. Ich habe das Gefühl, dass ich in diesem Bereich noch viel Raum für Entwicklung habe. Ich muss lernen, bei langfristigen Arbeiten Details mutiger und spontaner zu verändern, ohne dass das grundlegende visuelle Konzept des Projekts auseinanderfällt. Schau später wieder vorbei und verfolge meine Arbeit, um zu sehen, ob es mir gelungen ist, mich darin zu verbessern!
Die längeren Projekte findest du im Projektarchiv.
06 · Darüber hinaus
Andere Dinge, die ich gerne mache
Abseits der Fotografie interessiere ich mich für viele andere Dinge, die vielleicht auch deine Neugier wecken könnten. Wie ich bereits erwähnt habe, habe ich diese Webseite selbst gebaut. Webentwicklung und Programmierung sind für mich in den letzten Jahren immer spannender geworden, da es in dieser Welt praktisch nichts Unmögliches gibt und nur unsere eigene Vorstellungskraft dem Grenzen setzt, was wir erschaffen können.
Ich habe zum Beispiel die Webanwendung Spot Sketch entwickelt, die ein praktisches Dokumentationswerkzeug für analoge Fotografen ist, insbesondere bei der Verwendung von Großformattechnik und einem Spotbelichtungsmesser. Die Messergebnisse können auf einem Referenzfoto platziert werden, und durch das Verschieben der Werte im Zonensystem von Ansel Adams schlägt die Anwendung auch Belichtungseinstellungen vor. Neben den Messdaten können auch Informationen zur Kamera, zum Objektiv oder zum Filmtyp sowie Notizen in einem finalen Dokument erfasst werden. Auf den ersten Blick mag das wie ein Detail erscheinen, aber in der analogen Fotografie, in der Exif und Metadaten nicht automatisch gespeichert werden, ist es eine riesige Hilfe, dass alle wichtigen Informationen in einer einzigen, leicht katalogisierbaren und ausdruckbaren Datei gespeichert werden. Zudem kannst du das Referenzfoto später ganz einfach durch dein gescanntes, fertiges Bild ersetzen.
Auf der Journal Seite findet der in mir wohnende Wunsch zu publizieren seinen Weg nach draußen. Hier sammle ich meine Gedanken, Wissenswertes und Kurioses aus den Bereichen Fotografie, Kunst und Technologie, oder ich stelle euch hier andere inspirierende Künstler vor.
Der Umweltschutz ist ebenfalls ein prägender Teil meines Lebens. Wir haben früher einen Podcast zu diesem Thema gestartet, mussten aber feststellen, dass wir zu zweit für eine so große Aufgabe zu wenig waren. Aus diesem Grund pausiert diese Initiative derzeit, aber mein langfristiges Ziel ist es, eine Mediengemeinschaft zu organisieren, die verlässliche und geprüfte Informationen über die Zusammenhänge zwischen unserem Lebensstil und dem Zustand des Planeten liefert. Ich möchte, dass diese Plattform dazu beiträgt, die vielen Missverständnisse auszuräumen, die umweltpolitische Maßnahmen umgeben.
Mit dem Thema Umweltbewusstsein und dem Schutz unseres Planeten ist auch mein Projekt namens Planet Resonance lose verbunden. Dies wird ein Kanal für Umweltgeräusche und -videos sein, der hochwertige Audioaufnahmen für Meditation, Arbeit oder Schlaf bietet – aufgenommen in der Natur und der akustisch extrem reichen Welt um uns herum. Ich hoffe, dieses Projekt in den letzten Monaten des Jahres 2026 oder in der ersten Hälfte des Jahres 2027 der Öffentlichkeit vorstellen zu können.
Interessierst du dich für eines dieser Projekte? Möchtest du den Prozess sehen oder an einem davon teilnehmen? Du kannst mir gerne eine Nachricht senden, den Kanal abonnieren oder meine Arbeit verfolgen, um zu sehen, woran ich als Nächstes arbeite!